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Ein Bericht von Elfriede Maresch
"Mensch, wie auf Wallfahrten sind wir hierher gekommen" war die Lesung von Peter Kurzeck überschrieben, zu der der Verein Bonifatiusroute e.V. zum 5-jährigen Bestehen des Wanderweges in die Burkhardser Kirche eingeladen hatte. Unter den Zuhörern konnte die Vorsitzende des Vereins, die stellvertretende Landesarchäologin Dr. Vera Rupp auch Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab-Madeisky sowie Hartmut Greb (Verwaltung Vogelsbergkreis), Thomas Schaumberg (Vogelsberg Consult) und die ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerin des Kreises, Erika Müller, begrüßen. Schon bei der Eröffnung 2004, gewissermaßen der Pionierwanderung, seien 5 000 Menschen die ganze Bonifatiusroute entlang oder in Etappen mit unterwegs gewesen, erinnerte sich Vera Rupp und freute sich, wie gut der Wanderweg genutzt wird.
Zum Werk des Schriftstellers führte die Frankfurter Journalistin Corinna Willführ hin -sehr persönlich und offensichtlich beeindruckt von Kurzecks eigenwilliger Art des Erzählens. Das Motto des Abends ist ein Zitat aus seinem Buch "Mein Bahnhofsviertel" - eine Übereinstimmung zum Schlagwort "Unterwegs" des Mittelhessischen Kultursommers, der die Veranstaltung unterstützte. Das "Unterwegs sein" prägt auch das Leben des Autors, der 1943 im tschechischen Tachau geboren, als Dreijähriger mit seiner Familie heimatvertrieben nach Staufenberg bei Gießen kam und dort aufwuchs. In der Motivation "Nichts soll vergessen werden" und "Ich möchte mein Zeitalter aufschreiben" ist ein umfangreiches Werk entstanden: von "Der Nussbaum gegenüber vom Laden, in dem du dein Brot kaufst" (1979) bis zu "Oktober und wer wir selbst sind" (2007). Kurzeck erhielt dafür renommierte Literaturpreise.
"Unterwegs" ist der Autor noch immer: kürzlich etwa auf Einladung der Goethe-Institute in Shanghai, auf zahlreichen Lesungen im Inland, aber auch im Pendeln zwischen seinem ersten Wohnsitz in Frankfurt und dem zweiten im französischen Süden. Ob man bei so viel Unterwegs-sein nicht Arbeitszeit verliere, fragte Willführ den Autor. Die charakteristische Antwort: Gewiss, aber man lerne Deutschland besser kennen, man schaue genauer hin.
Dieses genaue Hinschauen bewies Kurzeck mit dem Text "Kein Frühling", 1987 entstanden und 2007 um zwölf Kapitel ergänzt. Kein durchgängiger Erzählstrang bot sich da, aber eine Fülle dichter präziser Beobachtungen, die sich zu einem überzeugenden Bild fügten. Kurzeck erinnerte eingangs an die Lebensverhältnisse der Kleinbauern im Staufenberg der frühen 50-er Jahre, den harten Nebenerwerb in der Industrie: "Die Leute haben sich tot oder zu Krüppeln gearbeitet - `vom Feld auf die Hütt, von der Hütt aufs Feld´".
"Jeden Tag im Keller die Vorräte nachzählen" - es entstand das Bild einer kleinbäuerlichen Familie im Spätwinter, deren Landwirtschaft zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben hergibt. Die Stallhasen, derzeit einzige Fleischlieferanten, reichen nur noch wenige Sonntage, das Zerbrechen eines hölzernen Tragjochs ist eine kleine Katastrophe: Ohne Selbstmitleid, im lakonischen Nebeneinanderstellen der Fakten, ("Zum Holzfällen ist es zu spät, auf den Bau zu früh") baut sich ein dichtes Psychogramm auf: "Immer kümmerlicher und kleiner ist uns unser Leben geraten - da weiß man nicht ein und nicht aus!"
Dass Kurzeck auch die Dichte, die Bindungskraft dieser kleinen kümmerlichen Welt erkennt, gibt seinen Texten Leben, entfernt sie meilenweit von fragwürdiger Mitleidsliteratur mit einer voyeuristischen Note. So zeichnete sein abschließend gelesener Text "Muttertagsgeschenk" detailverliebt einen Tante-Emma-Laden der Vergangenheit, in dem es Haushaltsgeräte, Kurzwaren, Kosmetika ("Veilchen oder Maiglöckchenparfüm") sowie Leihbücher gab - nicht einmal die Schaumgummitropfenfänger samt Deko-Schmetterling für die Kaffeekannen waren vergessen. Ebenso amüsiert wie fasziniert hörte das Publikum zu. Es gab anschließend lebhafte Gespräche und von Vera Rupp einen Dank an die Burkhardser Kirchengemeinde, Pfarrer Zentgraf und die Kirchendienerin Ingrid Reinemer sowie die Organisatorin Gudrun Haas.
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 Peter Kurzeck beim Signieren. Dahinter Mitglieder des Vereins mit Moderatorin Corinna Willführ.
 Ein Büchertisch mit großer Auswahl war von Elkes Buchladen aus Schotten aufgebaut worden.
 Im Anschluss an die Lesung unterhielten sich Zuhörer noch lange mit dem Autor und studierten seine Bücher.
 Katze Molly - Wange an Wange mit Peter Kurzeck
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